Freitag, 16. September 2011

Mir ist schwindelig. Alles ist schwarz, alles ist dunkel. Nichts ist wirklich hier. Eigentlich ist das alles hier nur ein großes, schwarzes Nichts. Ich stütze meinen Kopf in die Hände und kauere mich auf dem Schulflur so eng zusammen, wie ich nur kann. Ich merke, dass jemand gegen mich fällt. Und dann spüre ich ein Klopfen an meiner linken Schulter. Ich sehe auf, obwohl ich längst weiß, dass es L. ist, der mich mit seiner roten Krücke angestoßen hat. Eine Krücke, die er schon lange nicht mehr braucht, sie aber trotzdem noch benutzt, um mich zu nerven.
"Lass mich", hauche ich schwach. Ich kann nicht mehr. Ich kann wirklich nicht mehr.
Er geht nicht, sondern pickst mich weiterhin provuzierend in die Schulter.
Ich gebe auf, ich habe keine Kraft mehr. Das alles hier ist gar nicht echt. Ich schließe die Augen. Dann fasst mich halt an. Betatscht mich alle, wo wie und wann ihr wollt. Es ist mir egal. Ich fühle mich dreckiger als jede Schlampe. Ich kann nicht mehr. Verzweiflung, Euphorie und Angst. Die Erde scheint zu kippen. Erst nach rechts, dann nach links. Mir gefällt das. Sie kippt, sie fällt. Und ich sitze hier, unsicher ob ich nicht gleich ebenfalls umkippen werde. Ich schlafe ein und werde erst wieder wach, als Vanessa sich neben mich stellt und L. von uns wegdrückt. Nicht aufsehen. Ich kann nicht aufsehen. Ich will weiterhin spüren, wie die Welt kippt. Wie wir alle in unser Unglück stürzen. Ich will wieder mit dem Tod tanzen. In einem schneeweißem Kleid auf einer schneeweißen Winterlichtung. Ein unbekannter, schwarzer Mann, der mich durch den weißen Schnee wirbelt. Irgendwann bemerke ich, dass Vanessa gegangen ist. Ich möchte weitertanzen, ich möchte sterben, ich möchte die Welt kippen lassen. Irgendwann bringe ich euch alle um.

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